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Mobil trotz Dialyse

Mehr als 50.000 Menschen in Deutschland sind durch den teilweisen oder kompletten Verlust ihrer Nierenfunktion dialysepflichtig. Bei über 90% dieser Patienten erfolgt die mehrmals in der Woche notwendige Nierenersatztherapie durch so genannte Hämodialyse (Blutwäsche). Für Professor Dr. Dr. Marcus Baumann, Sektionsleiter Nephrologie (Nierenheilkunde) am Klinikum Ansbach, bedeutet die Peritonealdialyse (PD) oder Bauchfelldialyse eine wichtige Alternative zur Hämodialyse. Eine solche Bauchfelldialyse wurde kürzlich erstmals am Klinikum Ansbach durchgeführt.


„Diese bewährte, aber in Deutschland eher selten angewendete Form der Behandlung kann für bestimmte Dialysepatienten eine immense Steigerung der Lebensqualität darstel-len. Die Patienten müssen nicht mehr stundenlang an die Dialysegeräte. Sie können die Dialyse zu Hause durchführen, sind dadurch ungebundener, selbstständiger und damit freier“, erläutert Professor Baumann.


Bei der Bauchfelldialyse wird dem Patienten ein Katheter in die Bauchhöhle implantiert. Über diesen wird eine Dialyselösung in den Bauchraum gefüllt und dort über mehrere Stunden belassen. Endprodukte des Stoffwechsels und Wasser, die ansonsten durch die Nieren aus dem Blut gefiltert werden, können nun über die Kapillargefäße des Bauchfells in die Dialyselösung übertreten, da ein Konzentrationsgefälle herrscht. Das Bauchfell des Patienten wirkt dabei als körpereigene Filtermembran. Die Dialyselösung wird dann nach einer bestimmten Zeit abgelassen. Weitere Vorteile dieser Dialyseform: Die Restnieren-funktion kann länger aufrechterhalten werden, Komplikationen am Dialysezugang sind seltener und sie ist schonender für den Kreislauf. Gerade der letzte Punkt macht z. B. für herzkranke Menschen eine Nierenersatztherapie überhaupt erst möglich. Vorteile, die auch Norbert P.* zu Gute kommen. Der 74-Jährige wurde als erster Bauchfelldialyse-Patient am Klinikum Ansbach trainiert. „Ich habe zwar noch ein paar Schwierigkeiten mit den Kathetern, aber meine Frau bekommt gerade eine Einweisung wie das geht und wird mir dabei helfen“, so der ehemalige Schiffskoch.


Ermöglicht wird diese Behandlung unter anderem durch die enge Zusammenarbeit zwi-schen der Sektion Nephrologie und der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, chirur-gische Onkologie. Deren Chefarzt Prof. Dr. Thomas Meyer implantierte den Katheter ins Bauchfell des Patienten, Prof. Baumann kümmert sich um die weitere Behandlung.


Natürlich gibt es auch ein paar Einschränkungen bei dieser Therapieform. „Die Patienten sollten z.B. noch möglichst fingerfertig und nicht zu übergewichtig sein.“, so Prof. Baumann, „außerdem muss ein hohes Maß an Hygiene vom Patienten selbst gewährleis-tet sein, da es sonst zu Bauchfellentzündungen kommen kann.“ Für Norbert P.* kein Problem: „Da passen meine Frau und ich schon sehr auf, denn ich will mich ja trotz meiner Krankheit noch weiter bewegen und das Leben genießen.“


Professor Baumann wurde übrigens erst kürzlich für seine langjährige Arbeit an der Tech-nischen Universität (TU) München zum Professor ernannt. Die bayerischen Vorausset-zungen für eine Professur sind die höchsten in Deutschland. Zudem wird an der TU München nur eine kleine Anzahl von Privatdozenten zu Professoren ernannt. Eine besondere Auszeichnung also für Prof. Baumann und ANregiomed.
*  Name aus patientenrechtlichen Gründen geändert

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