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Organspende aus medizinischer und theologischer Sicht

Ansbach. Etwa 12.000 Menschen in der Bundesrepublik warten auf ein Spenderorgan. Während diese Zahl im Verlauf der letzten Jahre in etwa gleich geblieben ist, ist die Zahl der Organspenden im vergangenen Jahr – nicht zuletzt wegen der Skandale in den Transplantationszentren – noch einmal um fast 13 Prozent gesunken. Die tatsächlich gespendeten Organe decken nicht einmal ein Viertel der benötigten ab: Jeden Tag sterben zwei bis drei Menschen, weil ihnen nicht geholfen werden konnte. Organspende ist also ein Thema, mit dem sich jeder einmal beschäftigt haben sollte.

Medizinische, rechtliche und ethische Fragen beantworteten und diskutierten am vergangenen Donnerstag Dr. med. Monika Mundt, Oberärztin Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin und Schmerztherapie und Transplantationsbeauftragte am Klinikum Ansbach, sowie Dr. Kerstin Schloegl-Flierl von der Fakultät für Katholische Theologie und Moraltheologie der Universität Regensburg im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung der Klinikums Ansbach und der Katholischen Erwachsenenbildung. In zwei Referaten informierten die beiden Expertinnen zunächst über die Standpunkte aus medizinischer und theologischer Sicht, bei der anschließenden Diskussion hatten die Besucher die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Ein wichtiger Punkt war dabei die Gegenüberstellung der in unterschiedlichen Ländern geltenden Gesetze. In Ländern mit hoher Spenderquote, wie in Österreich, Norwegen oder den USA, gelte das so genannte Widerspruchsmodell. Wer in diesen Ländern eine Organspende ablehnt, muss sich zu Lebzeiten klar gegen eine Organentnahme ausgesprochen haben. Obwohl die Kirche die Organspende als „Akt der Solidarität und Nächstenliebe“ heute sehr positiv bewerte, ermögliche dieses Modell, so Dr. Schloegel-Flierl, gewissermaßen einen  „staatlichen Zugriff“ auf geeignete Spenderorgane. Mit Selbstbestimmung habe dies nur wenig zu tun. Sie sehe zwar keinen Entscheidungszwang, jedoch durchaus die „sittliche Pflicht“ jedes Einzelnen, sich mit dem Thema zu beschäftigen und dann selbst eine Entscheidung zu treffen.Die in Deutschland geltende Entscheidungslösung hingegen halten beide Expertinnen für einen guten und sicheren Weg, vorausgesetzt, die Entscheidung für oder gegen eine Organspende werde in einem Organspenderausweis klar dokumentiert. Wichtig, so Dr. Mundt, sei angesichts des durch „wenige schwarze Schafe“ erschütterten Vertrauens eine „Enttabuisierung“ der Thematik. Nur durch die eigene Entscheidung werde im Zweifelsfall der Druck von den Angehörigen genommen, wie die Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin aus langjähriger Erfahrung weiß. Da nur weniger als 10 Prozent der Deutschen einen Organspenderausweis hätten, träfen die Entscheidung für oder gegen eine Organspende in der Regel die Angehörigen. Das Vorliegen eines Organspenderausweises erleichtere auch den bei der Entscheidung zur Seite stehenden Ärzten Vieles und spare allen Beteiligten „wertvolle Zeit und viel Kraft“.

Bereits in den ausführlichen Darstellungen der Referate wurden für viele Besucher wichtige Fragen beantwortet. Darüber hinaus war für viele Diskussionsteilnehmer besonders interessant, dass es für die Organspende nach oben hin keine Altersgrenze gibt. Im Gegenteil, so Dr. Mundt: Die Organe von Spendern höheren Alters im Rahmen des so genannten „Old-for-old-Programms“ könnten zum Beispiel vielen älteren nierenkranken Patienten, die oft schon Jahrzehnte auf regelmäßige Dialyse angewiesen seien, noch viel Lebensqualität bringen.

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